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  • Argentinisches Tageblatt

Argentinische Woche in Kürze

(Vom 11.10. bis 18.10.)

Der Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 60,53, gegen $ 60,29 in der Vorwoche. Die ZB ließ den Kurs sanft in die Höhe klettern, und musste dabei nur geringe Dollarbeträge täglich verkaufen. Der Markt hat sich beruhigt. Der Schwarzkurs lag bei $ 64,50 und der Kurs, der sich bei Dollarkäufen über gleichzeitigem Kauf und Verkauf von Staatspapieren in Dollar ergibt (benannt “contado con liqui”) erreichte $ 69,31. Der Zinssatz für Leliq-Titel lag bei 68%. Die ZB-Reserven betrugen am Mittwoch u$s 47,64 Mrd., gegen u$s 47,98 Mrd. in der Vorwoche. Der Rofex-Terminkurs lag zum 31.8.20 bei $ 95,15, was einen Zinssatz von 74,73% zum Ausdruck bringt.

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Der Merval-Aktienindex der Börse von Buenos Aires verzeichnet in einer Woche zum Mittwoch eine Zunahme von 1,39% und liegt um 1,54% über Ende 2018.

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Die Staatstitel wiesen in einer Woche zum Mittwoch eine unterschiedliche Entwicklung auf. Im Einzelnen war es wie folgt: Argentina 2022: +0,85%; Argentina 2021: +0,71%; Argentina 2026:+0,76%; Argentibna 2048: -0,55%; Bonar 2024: -4,88%.

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Gold wurde in Buenos Aires (Banco Ciudad) am Mittwoch bei 24 Karat zu $ 2.666,29 pro Gramm gehandelt, gegen $ 2.669,42 in der Vorwoche. Gold zu 18 Karat wurde weiter nicht gehandelt.

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Die Geldmenge, definiert als monetäre Basis (Banknoten im Umlauf plus Bankdepositen bei der ZB) stieg in 12 Monaten zum 11.10.19 um 8,32%. Dabei stieg der Notenumauf um 25,89%, während die Bankdepositen bei der ZB um 17,93% abnahmen. Das monetäre Aggregat M2 (Banknoten im Umlauf plus Giro- und Spardepositen), das sich auf Zahlungsmittel im weiteren Sinn bezieht, stieg in 12 Monaten um 30,34%.

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Die gesamten Pesodepositen der Banken stiegen in 12 Monaten zum 11.10.19 um 25,09% auf % 3,32 Bio., und gesamten Pesokredite nahmen um 5,30% auf $ 1,73% zu, was eine reale Abnahme (bei Berücksichtigung der Inflation) von 46% zum Ausdruck bringt. Diese extrem restriktive Kreditpolitik hat die Inflation nicht gebremst, aber wesentlich zur akuten Rezession beigetragen. Die gesamten Dollardepositen der Banken gingen in 12 Monaten zum 11.10,19 um 23,43% auf u$s 22,7 Mrd. zurück. Die Abnahme betrug in diesem Jahr sogar 28,93% und in 30 Tagen 7,44%. Die Abhebungen haben stark nachgelassen, und in einer Woche zum Mittwoch waren es nur noch 0,67%. Die gesamten Dollarkredite gingen in 12 Monaten um 18,73% auf u$s 13,05 Mrd. zurück.

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Die AFIP hat durch Verfügung 375/19 (Amtsblatt vom 16-10-19) eine Verringerung von 20% bei den Honoraren ihrer Anwälte verfügt, die dies bei Prozessen wegen Eintreibung von Steuerschulden und anderen Motiven erhalten. Obwohl diese Anwälte Staatsangestellte sind, die ein festes Gehalt erhalten, werden ihnen Honorare anerkannt, wie bei freiberuflichen Anwälten. Das führt auch dazu, dass sie sich beeilen, Klage vor Gericht einzuleiten. Das Gerichtsverfahren beginnt dann mit einer Beschlagnahme der Konten des Steuerzahlers, was seine Lage weiter verschlechtert und ihm die Überwindung der Zahlungskrise erschwert. Die Entscheidung von AFIP-Direktors Cuccioli ist zu begrüßen, aber es feht noch eine Bestimmung, die eine Wartezeit bis zur Einleitung des Prozesses verfügt. Die Entscheidung hängt auch damit zusammen, dass Leandro Cuccioli weder Anwalt noch Buchprüfer ist, sondern Ingenieur, und somit das korporative Denken dieser Zünfte nicht teilt.

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Die Regierung hat verfügt, dass auch Haushaltspersonal eine Sondervergütung (ohne Sozialabgaben) erhält. Für Personal, dass 16 und mehr Stunden pro Woche arbeitet, sind es $ 3.000, die je zur Hälfte Ende Oktober und November gezahlt werden müssen. Bei 12 bis 16 Wochenstunden beträgt der Bonus $ 1.500, auch zahlbar in zwei Monatsraten. Diese Sonderzulage kommt zu der Gehaltserhöhung von 10% hinzu, die für Dezember verfügt wurde.

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Im August reisten 347.702 Menschen ins Ausland, 3,7% über dem gleichen Vorjahresmonat und 11,5% über Juli 2019. In 8 Monaten 2019 betrug die Zahl der Auslandsreisenden 2,98 Mio., 14,3% unter dem Vorjahr. Die Zahl der Touristen aus dem Ausland, die nach Argentinien gekommen sind, lag im August um 6% über dem gleichen Vorjahresmonat, aber um 7,9% unter Juli 2019. Die Zahl der Einreisenden lag mit 240.933 um 106.769 unter der derjenigen, die sich ins Ausland begaben. In 8 Monaten 2019 lag die Zahl der Einreisenden mit 2,03 Mio. um 17,6% über dem Vorjahr. Es waren 770.000 weniger als die Auslandsreisenden. Man hätte annehmen sollen, dass es beim hohen realen Wechselkurs umgekehrt gewesen wäre.

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Die Auslastung der Kapazität der Industrie lag im August bei 60,5%, 2,5 Prozentpunkte unter dem gleichen Vorjahresmonat, aber 1,8 Punkte über Juli 2019, hat das INDEC ermittelt. Die höchste Auslastung verzeichnet die Grundmetallindustrie (81,8%), gefolgt von Erdölraffinerien (79,8%), Papier und Pappe (73,4%), nicht metallischen Erzen (71,9%), Tabakprodukten (64,6%) und Nahrungsmitteln und Getränken (63,3%). Unter dem Durchschnitt lagen Textilien (58.8%), Druckereien und Verlage (57,9%), Chemie (51,6%), Kautschuk und Kunststoffe (50,2%), Metallmechanik (47,5%) und Kraftfahrzeuge (43.5%).

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Im September wurden 1,2 Mio. Rinder geschlachtet, 15,7% über dem gleichen Vorjahresmonat, berichtet die Kammer Ciccra. Dabei wurden 273.000 Tonnen Rindfleisch erzeugt, 15,1% über dem Vorjahr. Die Schlachtung von Kühen erreichte mit 49,1% der gesamten Schlachtungen einen historischen Höchststand. Das bedeutet, dass der Rinderbestand nicht weiter aufgestockt wurde.

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Die gesamte Staatsschuld beträgt zum August 2019 u$s 310 Mrd. Davon entfallen u$s 75 Mrd. auf die ZB und u$s 27 Mrd. auf die ANSeS u.a. staatliche Ämter. Die innerstaatliche Schuld macht somit u$s 102 Mrd. aus. Die Schuld gegenüber dem IWF, der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank u.a. Förderungsbanken beträgt u$s 73 Mrd. Die Schuld gegenüber privaten Gläubigern (vornehmlich Inhabern von Staatstiteln) beträgt u$s 132 Mrd. Auf diese Schuld kommt es jetzt an. 2020 verfallen Schulden von u$s 35 Mrd., einschließlich Zinsen von u$s 11 Mrd. Das ist unbezahlbar, und die Gläubiger wissen es. Der Betrag muss umgeschuldet und auf mehrere Jahre gestreckt werden. Sofern es dabei keinen Kapitalschnitt gibt, und die Umschuldung kurzfristig erfolgt, hat der Fall eine beschränkte Bedeutung.

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Die Consulting-Firma Ecolatina rechnet für dieses Jahr mit Exporten von u$s 65 Mrd., 5% über dem Vorjahr, wobei sich ein Überschuss der Handelsbilanz von u$s 14 Mrd. ergibt, der jedoch vorwiegend auf einem Importrückgang von ca. 30% beruht. Andere Consulting-Firmen gelangen zu ähnlichen Ergebnissen. Der Export liegt immer noch weit unter dem Rekord von u$s 82 Mrd., der 2011 erreicht wurde. Für 2020 wird mit Exporten um die u$s 70 Mrd. gerechnet. Das genügt nicht, um den Überschuss zu sichern, den Argentinien benötigt, um die Auslandsschuld abbauen zu können. Wenn die Konjunktur wieder aufwärts geht, wird mit einem viel höheren Import gerechnet, es sei den, es wird eine sehr restriktive Importpolitik vollzogen.

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Der angesehene Konsumexperte Guillermo Olivetto weist in einem Artikel in der Zeitung “La Nación” (14.10.19) darauf hin, dass die ersten Marken 60% des Umsatzes der Produkte ausmachen, auf die sie sich beziehen. Marken seien für die argentinische Gesellschaft sehr wichtig. In der gegenwärtigen Krise haben die großen Markenprodukte 10 Prozentpunkte an ihrem Marktanteil verloren, die auf Zweitmarken oder Produkte ohne Marke übergegangen seien. Es lasse sich nicht sagen, wie weit der Konsument dann nach Überwindung der Krise auf die Erstmarken zurückkehrt. Denn das Phänomen sei auch auf das Auftreten neuer Ausgaben zurückzuführen, die Kaufkraft beanspruchen, wie Mobiltelefone, Computer, Dienste für die Freizeit und Tourismus.

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Die ZB-Reserven betrugen am 7.10.19 u$s 48,07 Mrd. Davon entfielen u$s 18,26 Mrd. auf das Swapgeschäft mit China, u$s 2,91 Mrd. auf Gold, u$s 3,56 Mrd. auf Mittel, die der IWF bereitgestellt hat, u$s 2,87 Mrd. auf die Bank für internationalen Zahlungsausgleiche (Basel) u.dgl., und u$s 8,61 Mrd. auf Dollardepositen bei Banken, bei denen der Überschuss bei der ZB deponiert wird. Es verbleiben somit u$s 12,08 Mrd. als frei verfügbare Reserven. Im letzten Quartal 2019 verfallen staatliche Dollarschulden für insgesamt u$s 5,14 Mrd. Davon entfallen u$s 2,75 Mr. auf Letes-Schatzscheine, u$s 0,58 Mrd. auf Zinsen auf Kredite der Weltbank, der BID u.dgl., und u$s 1,80 auf Zinsen auf die Staatsschuld in Dollar.

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Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für die argentinische Wirtschaftsentwicklung verschlechtert: das BIP werde 2019 mit -3,1% schließen und 2020 mit -1,3%. Die Inflation wird für dieses Jahr auf 57,3% angesetzt und 2020 auf 39,2%. Die Arbeitslosigkeit werde Ende 2019 10,6% der aktiven Bevölkerung erreichen, und 2020 bei 10,1% liegen. Im April (vor dem PASO-Wahlen) hatte der Fonds noch für 2019 mit -1,2% und 2020 mit +2,2% gerechnet.

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Der Regen der Vorwoche und auch dieser hat der Landwirtschaft in weiten Gebieten eine bedeutende Erleichterung gebracht, nach es drei Monate lang kaum geregnet hatte. Doch im Westen von Córdoba und Buenos Aires, in San Luis, La Pampa, dauert die Dürre an. Der Regen ist für die Landwirtschaft in der Gegend der sogenannten “feuchten Pampa”, für die Erträge der Ernte von Getreide und Ölsaat entscheidend. Doch infolge der allgemeinen Einführung der direkten Aussaat wirkt sich eine Dürre jetzt viel weniger aus als vor zwei Jahrzehnten, weil die Bodenfeuchtigkeit erhalten wird. Ebenfalls wirken der Einsatz von Samen mit höherer Wiederstandsfähigkeit, und auch andere technologische Fortschritte, in diesem Sinn. Auf alle Fälle wird für die Periode 2019/20 mit einer niedrigeren Ernte als die von 2018/19 gerechnet, die einen Rekord von um die 145 Mio. Tonnen erreichte.

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Schatzminister Hernán Lacunza betonte, dass die u$s 45 Mrd., die der IWF ab Mai 2018 ausgezahlt habe, in Höhe von u$s 38 Mrd. für Amortisation und Zinsen bestehender Auslandskredite eingesetzt worden seien. Das habe eine Ersparnis von u$s 2,2 Mrd. an Zinsen erlaubt, weil die Zinsen, die der IWF fordert, viel niedriger als bei normalen Bankkrediten und Ausgabe von Staatstiteln sind.

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Der Index der Industrieproduktion, den die Studienabteilung des Industrieverbandes “Unión Industrial Argentina” berechnet, liegt im August 2019 um 7,2% unter dem gleichen Vorjahresmonat, und (saisonbereinigt) um 1% unter Juli 2019.

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