• Argentinisches Tageblatt

Argentinische Woche in Kürze

(Vom 5.4.19 bis 12.4.19)

Der Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 44,22, gegen $ 41,95 eine Woche zuvor. Die ZB hat weiter einer Kurssteigerung mit hohen Zinsen bei Leliq-Schatzscheinen entgegengewirkt. Die ZB-Reserven erreichten als Folge der Auszahlung von u$s 10,8 Mrd. durch den IWF u$s 77,33 Mrd., gegen u$s 68,31 Mrd. in der Vorwoche. Der Rofex-Terminkurs lag zum 31.3.20 bei $ 65,4, was einen Jahreszinssatz von 53,58% zum Ausdruck bringt.

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Der Merval Aktienindex der Börse von Buenos Aires weist in einer Woche zum Mittwoch eine Zunahme von 1,23% aus, und liegt somit um 6,15% über Ende Dezember 2018.

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Die argentinischen Staatstitel lagen in einer Woche zum Mittwoch im Zeichen der Baisse. Die Entwicklung war im Einzelnen wie folgt: Argentina 2019: unverändert; Argentina 2021: -2,23%; Argentina 2026: -4,34%; Argentina 2046: -3,36%; Bonar 2024: -1,58%. Dies hängt mit einem erneuten Sprung der Landesrisikorate (Differenz der Rendite argentinischer Staatspapiere, die in NY gehandelt weden, mit der der US-Schatzscheine auf 10 Jahre, genannt “treasuries”) auf 816 Basispunkte zusammen. Die Risikorate lag vor zwei Jahren noch unter 400, stieg danach bis auf 829 Punkte Ende des Jahres 2018, fiel dann im Februar 2019 auf ca. 550 Punkte, und ging danach wieder nach oben.

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Gold wurde in Buenos Aires (Banco Ciudad) am Mittwoch bei 24 Karat zu $ 1.720,97 pro Gramm gehandelt (Vorwoche: $ 1.612,63). Gold von 18 Karat wurde auch diese Woche nicht gehandelt.

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Die Geldmenge, gemessen als monetäre Basis (Banknoten im Umlauf plus Bankdepositen bei der ZB) stieg in 12 Monaten zum 8.4.19 um 24,38%, bei einer Abnahme von 8,52% im Laufe dieses Jahres. Das monetäre Aggregat M2 (Banknoten im Umlauf plus Giro- und Spardepositen), das sich auf Zahlungsmittel im weiteren Sinn bezieht, stieg in dieser Periode um 14,01%, bei einer Abnahme von 11% in diesem Jahr. Hier kommt die restriktive Geldpolitik stärker zum Ausdruck.

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Die gesamten Pesodepositen der Banken stiegen in 12 Monaten zum 8.4.19 um 32,54% auf $ 2,01 Bio., und die gesamten Pesokredite nahmen um 5,56% auf $ 1,6 Bio. zu. Die Dollardepositen stiegen um 4,7% auf u$s 35,21 Mrd. und die Dollarkredite nahmen um 0,12% auf u$s 16,05% ab.

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Richter Javier López Biscayart hat Lázaro Báez, seine drei Söhne und Leiter seines Bauunternehmens Austral Construcciones wegen Steuerhinterziehung in Höhe von $ 2 Mrd. (gleich ca. u$s 45 Mio.) beschlagnahmt. Das Gericht hat festgestellt, das die Steuererklärungen zwischen 2008 und 2014 durch falsche Rechnungen und erfundene Steuerguthaben grob gefälscht wurden. Die Forderung der AFIP, bei allen Unternehmen des Báez-Konzerns, und bei Einschluss des Jahres 2015 übersteigt $ 20 Mrd. Das Steuerstrafgesetz sieht bei der Hinterziehung, die bisher ermittelt wurde, eine Haftstrafe zwischen 3 Jahren und 6 Monaten und 9 Jahren vor. Nachdem Báez ein Strohmann von Néstor Kirchner und nach dessen Tod auch von Cristina war, betrifft diese gigantische Hinterziehung die beiden ehemaligen Präsidenten.

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Die Auslastung der Kapazität der Industrie lag im Februar bei 58,5%, 5,9 Prozentpunte unter dem gleichen Vorjahresmonat, aber 2,3 Punkte über Januar 2019, teilt das INDEC mit. Am niedrigsten war die Auslastung der Kapazität bei der Metallmechanik (42,8%), bei der Kfz-Industrie (42,1%), bei Textilien (43,2%), bei Kautschuk und Kunststoffen (50,8%), bei Druckereien und Verlagen (52,1%) und bei Nahrungsmitteln und Getränken (57,6%). Am höchsten war die Auslastung bei Zigaretten u.a. Tabakprodukten (72,8%), bei Erdölraffinerien (71,7%), bei Papier und Pappe (71,7%), bei Chemie (69,4%), bei der Grundmetallindustrie (68,7%) und bei nicht metallischen Erzen (67,5%). Diese Statistik ist ungenau, einmal weil die Kapazitätsauslastung auch von der Art der Produktion abhängt, und dann, weil auch Maschinen eingeschlossen werden, die technologisch überholt sind und kaum noch verwendet werden.

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Die Regierung hat durch Beschluss des Schatzministeriums (Amtsblatt vom 10.4.19) beim vereinfachten Exportsystem, das für kleine und mittlere Unternehmen gilt, (benannt “Exporta Simple”) das Höchstgewicht von 300 Kg abgeschafft. Die wertmässige Höchstgrenze von u$s 15.000 je Sendung und u$s 600.000 pro Jahr wird beibehalten. Außerdem dürften jetzt das staatliche Postunternehmen und Aerolíneas Argentinas diese Sendungen direkt vollziehen.

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Der Index der Industrieproduktion des INDEC (Jetzt umbenannt von EMI, “Estimador mensual industrial” in IPI, “Indice de produccion industrial”) lag im Februar um 8,5% unter dem gleichen Vorjahresmonat und (saisonbereinigt) um 2,4% über Januar 2019. Februar ist der 10. Monat in Folge mit einem interannuellen Rückgang. Bei Nahrungsmitteln betrug der interannuelle Rückgang im Februar nur 0,1%, bei nicht metallischen Erzen (an erster Stelle Zement) 4,3%, bei Textilien 5,3%, bei Kunststoffen 5,4%, und bei Maschinen und Anlagen 31,6%.

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Der Index der Bauwirtschaft des INDEC, benannt ISAC (“Indice sintético de la actividad de la construcción”) verzeichnet im Februar einen interannuellen Rückgang von 5,3%, aber eine (saisonbereinigte) Zunahme von 8,3% gegenüber Januar 2019.

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Die Gasförderung lag im Februar 2019 um 7,8% über dem gleichen Vorjahresmonat, obwohl YPF, der weitaus größte Gaserzeuger, um 13,5% unter dem Vorjahr lag. Die Zunahme ist auf die erhöhte Förderung von Tecpetrol (Techint-Konzern) zurückzuführen. Im Februar ergab die Energiebilanz beim Außenhandel einen Überschuss von u$s 92 Mio., und im 1. Bimester einen von u$s 105 Mio. Unter der Regierung von CFK war diese Bilanz stark negativ.

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Die lokale Fabrikation von Automobilen, Lastwagen und Nutzfahrzeugen (“pick ups”) lag im März bei 29.227 Einheiten, 41,1% unter dem gleichen Vorjahresmonat und 10,5% unter Februar 2019, berichtet der Verband Adefa. Die Lieferungen an die Agenturen erreichten 33.708 Kfz., 57,6% unter dem Vorjahr, aber 10,9% über Februar 2019. Die Exporte betrugen im März 21.085 Einheiten, 23,9% unter dem Vorjahr, aber 8,5% über Februar. Ohne Veränderungen des Bestandes zu berücksichtigen, ergibt sich aus diesen Zahlen ein Import von 25.566 Kfz., 4.481 Einheiten mehr als die exportierten.

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Die BID-Invest, eine Tochter der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) hat sich bereit erklärt, an einem Kreditpaket von u$s 900 Mio. mitzumachen, das für die Finanzierung der Straßenbauten bestimmt ist, die im Rahmen des PPP-Programmes der öffentlich-privaten Zusammenarbeit zugeteilt wurden. u$s 200 Mio. soll BID-Invest direkt beitragen, und u$s 700 Mio. sollen von den Banken J.P.Morgan, Goldman Sachs, Deutsche Bank, HSBS, UBS und Citibank, sowie von der Internationalen Finanzkörperschaft (der Tochter der Weltbank für Finanzierung an Privatunternehmen) und der Entwicklungsbank für Lateinamerika (ursprünglich Andenkörperschaft, CAF, benannt) aufgebracht werden. Der Kredit wird unter den Unternehmen verteilt, die die Zuteilung der 6 Straßenkorridore erhielten. Es handelt sich um 813 km Autobahnen, 1.494 km sogenannte “sichere” Straßen (die breiter sind), und 252 km von speziellen Arbeiten. Die Investition für die ersten 4 Jahre wurde auf u$s 6 Mrd. veranschlagt, zu denen danach noch u$s 2 Mrd. hinzukommen. Der Kredit, um den es jetzt geht, finanziert nur den ersten Teil der Arbeiten. Die Kreditbedingungen (Laufzeit und Zinsen) wurden nicht bekanntgegeben. Es wird jedoch angenommen, dass es sich um normale Zinsen (eventuell bis zu 8%?) handelt, da bei höheren Zinsen die Rechnung für die Unternehmen nicht aufgeht. Es ist wichtig, dass diese Verschuldung, trotz der staatlichen Garantie, als privat eingestuft wird, da sie sonst dem IWF-Abkommen widerspricht. Die Rückzahlung des Kredites erfolgt auf Grund der Einnahmen aus Mautgebühren, aber auch durch staatliche Zuschüsse.

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Der exekutive Vorstand des Internationalen Währungsfonds hat am Freitag der Vorwoche der Auszahlung von u$s 10,8 Mrd. zugestimmt. Von den u$s 56,6 Mrd., die der Fonds gesamthaft gewährt hat, wurden u$s 15 Mrd. am 21. Juni 2018 ausgezahlt, u$s 5,7 Mrd. am 30.10.18, u$s 7,6 Mrd. am 21.12.18. Mit dem neuen Betrag sind es bisher insgesamt u$s 39,1 Mrd. Somit fehlen noch u$s 17,5 Mrd.

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Cristine Lagarde, die Vorsitzende des IWF, wies darauf hin, dass die Wirtschaftspolitik von Macri, die vom Fonds unterstützt werde, schon Erfolge aufweise: die Defizite der Staatsfinanzen und der Leistungsbilanz hätten stark abgenommen, und es bestünden Zeichen, dass die Rezession den Tiefpunkt erreicht habe, so dass eine graduelle Erholung in den kommenden Quartalen erwartet werde. Doch die Inflation sei auf einem hohen Niveau verblieben. Um zu erreichen, dass sie dieses Jahr nicht über 30% liegt, müssten sich die Lohnverhandlungen an diese Zahl halten (eventuell etwas mehr), aber ohne Aufholung des Verlustes von 2018.

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Dieses Jahr wird mit einer Maisernte von 46,5 Mio. Tonnen gerechnet, mehr als zehn Mal so viel wie vor 10 Jahren. Von 2000 bis 2010 lag die Produktion durchschnittlich bei 15 Mio. Tonnen. Die Rentabilität verdreifacht dieses Jahr bei Mais, die von Sojabohne, aber die Ausgaben pro Hektar sind drei Mal so hoch. Dank gutem Klima, Einsatz von Düngemitteln, Unkrautkontrolle und wirksamer Bekämpfung von Insekten, liegen die Erträge nahe bei 10 Tonnen pro Hektar, etwa so viel wie im “Corn belt” der USA.

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Der Stadtchef von Buenos Aires, Horacio Rodriguez Larreta, erklärte, der Rindermarkt von Liniers (der sich im Stadtbezirk Mataderos befindet) werde Ende dieses Jahres geschlossen und in den neuen Markt im Vororot Cañuelas verlegt. Die Einrichtungen für diesen neuen Markt seinen schon weit fortgeschritten. Die Schließung war schon 2001 verfügt worden, wurde jedoch 11 Mal verlängert. Der neue Markt ist nicht nötig, weil heute Rinder weltweit per Internet gehandelt werden, was auch schon zum Teil in Argentinien der Fall ist. Der Viehmarkt besetzt 32 ha in der Stadt, die ab 2020 für andere Zwecke eingesetzt werden können. Beiläufig wird dadurch die ganze Gegend verbessert, weil der Markt eine schmutzige und lärmige Tätigkeit darstellt.

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Die Gehälter des Haushaltspersonals wurden ab 1. April um 15% erhöht. Das hat die nationale Kommission für Arbeit in privaten Haushalten mit den zuständigen Gewerkschaften vereinbart. Diese Zulage kommt zu der von 25% hinzu, die 2018 verfügt wurde. Das Gehalt beträgt somit auf mindestens $ 14.478,50 pro Monat für Personal, das nicht in der Wohnung schläft und 8 Stunden pro Tag und 4 am Samstag arbeitet, und $ 16.117 für solches, das in der Wohnung wohnt.

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Die ZB hat das Ziel der Expansion der monetären Basis, das die Regierung mit dem IWF verpflichtet hat, im März 2019 erneut übertroffen. Vorgesehen war eine Zunahme des monatlichen Saldos von durchschnittlich $ 1,34 Bio., und effektiv waren es nur $ 1,31 Bio.

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Der Bestand der Leliq-Schatzscheine liegt schon in der Nähe der Billion Pesos. Die vorangehenden Lebac erreichten schließlich im Februar 2018 fast 1,3 Bio., was als unhaltbar angesehen wurde. Und jetzt ist es schon ähnlich bei den Leliq. Die Zinsen, die auf die Leliq gezahlt wurden, erreichten im 1.Quartal 2019 schon $ 129 Mrd., was hochgerechnet auf ein Jahr und bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt 4% ergibt, die nicht zum Staatsdefizit hinzugezählt werden, obwohl es sich zweifelsohne um Defizit handelt.

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Der Construya-Index, den die wichtigsten Fabrikanten von Baumaterialien auf Grund ihrer Lieferungen auf dem Binnenmarkt aufstellen, weist im März 2019 eine Abnahme von 16,3% gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat auf, liegt aber (saisonbereinigt) um 9,65% über Februar 2019.

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Die Provinz Rio Negro wurde gezwungen, ihren Stromkonsum um 10% zu verringern, weil sie dem staatlichen Betreiber des Stromgrossistenmarktes, CAMMESA, $ 2,85 Mrd. schuldet. Die Entscheidung war schon lange fällig, wurde jedoch verschoben und erst nach den Provinzwahlen getroffen.

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Das Schatzamt hat am Dienstag Schatzscheine (Letes) in Dollar für u$s 700 Mio. zu 4,5%, und auch Schatzscheine in Pesos (Lecap) auf drei Monate für $ 38 Mrd. zu 55,02% untergebracht. Die Offerten erreichten $ 43.39 Mrd. Bei den Dollartiteln verfiel ein Betrag von u$s 1,07 Mrd., von dem jetzt 66% erneuert wurde.

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Die Gehaltserhöhungen für 2018 blieben im Bundesstaat und in der Stadt Buenos Aires hinter der Inflation zurück. Für 180.000 Beamte des Nationalstaates (die nicht die Justizbeamten u.a Bereiche einschließen) wurde ein Erhöhung der Gehälter von insgesamt 28% verfügt. Für die Beamten der Stadt Buenos Aires waren es insgesamt 38%. Bei einer Inflation von fast 50% fand in beiden Fällen ein Reallohnverlust statt, der in Wirklichkeit noch höher ist, weil die Erhöhungen schrittweise gewährt wurden, so dass sich beim Vergleich des Durchschnitts von 2018 gegenüber dem von 2017 eine niedrigere Zunahme ergibt. Die offizielle Information lässt viele Fragen unbeantwortet.

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