• Argentinisches Tageblatt

Argentinische Wirtschaft

(Vom 20.9. bis 27.9.)

Der Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 59,34, gegen $ 59,15 in der Vorwoche. Die ZB hat am Mittwoch keine Dollar verkauft, und in den Vortagen angeblich sehr wenig. Die Devisenverkäufe werden nicht bekanntgegeben, nachdem die ZB wie irgend ein Anbieter tätig ist und die Ausschreibungen bestimmer Beträge, die es vorher gab, eingestellt hat. Der Zinssatz für Leliq lag bei 80,83%, bei Unterbringung von $ 229,04 Mrd. Der Kurs, der sich bei Überweisungen über Kauf und gleichzeitigen Verkauf von Staatspapieren in Dollar ergibt (“contado on liqui”) lag bei $ 64,53, leicht unter den vorangehenden Tagen. Der lokale Schwarzkurs (benannt “blue”) lag bei $ $ 61,75. Die ZB-Reserven lagen bei u$s 49,31, gegen u$s 48,81 in der Vorwoche. Der Rofex-Terminkurs lag zum 31.8.20 bei $ 94,50, was einen Zinssatz von 71,77% zum Ausdruck bringt.

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Der Merval-Aktienindex der Börse von Buenos Aires ging in einer Woche zum Mittwoch um 6,18% zurück, und lag somit um 6,87% unter Ende Dezember 2018.

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Die argentinischen Staatstitel wiesen in einer Woche zum Mittwoch eine betonte Baisse auf. Die Entwicklung war im Einzelnen wie folgt: Argentina 2022: -6,73%; Argentina 2021: -7,04%; Argentina 2026: -5,42%; Argentina 2046; -3,24%; Bonar 2024: -5,81%.

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Gold wurde in Buenos Aires (Banco Ciudad) am Mittwoch bei 24 Karat zu $ 2.655,26 pro Gramm gehandelt (Vorwoche: $ 2.652,09). Gold zu 18 Karat wurde weiter nicht gehandelt.

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Die Geldmenge, definiert als monetäre Basis (Banknoten im Umlauf plus Bankdepositen bei der ZB) stieg in 12 Monaten zum 23.09,19 um 4,28%. Dabei stieg der Notenumlauf um 7,58% und die Bankdepositen bei der ZB nahmen um 22,09% ab. Das monetäre Aggregat M2 (Banknoten im Umlauf plus Giro- und Spardepositen), das sich auf Zahlungsmittel im weiteren Sinn bezieht, stieg in dieser Periode um 10,03%.

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Die gesamten Pesodepositen der Banken stiegen in 12 Monaten zum 23.09,19 um 22,25% auf $ 3,25 Bio., und die gesamten Pesokredite nahmen um 2,44% auf $ 1,71 Mrd. zu. Die Dollardepositen gingen in der gleichen Periode um 21,25% auf u$s 24,38 Mrd. zurück, und die Dollarkredite nahmen um 13,40% auf u$s 14,13 Mrd. ab.

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Der bis zum Donnerstag stellvertretende Generaldirektor des IWF, David Lipton, erklärte dass bei der Beziehung mit Argentinien zunächst eine Pause eingefügt worden sei, so das die Auszahlung der u$s 5,4 Mrd. nicht unmittelbar erfolgen werde. Lipton betonte, dss die argentinische Lage gegenwärtig außerordentlich komplex sei. Offensichtlich wartet der Fonds auf das Ergebnis der Wahlen, um danach auch mit dem zukünftigen Präsidenten zu sprechen. Die am Donnestag angetretene neue Vorsitzende des Fonds, die Bulgarin Cristalina Georgiewa, wird voraussichtlich die Einstellung von Lipton bestätigen.

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Die Handelsbilanz weist im August 2019 einen Überschuss von u$s 1,17 Mrd. aus, so dass es jetzt 12 Monate in Folge mit positiven Saldi sind. In 8 Monaten 2019 betrug der Überschuss u$ 7,71 Mrd. Die Entwicklung bestätigt den Überschuss von u$s 16 Mrd., den die Regierung für ganz 2019 erwartet. Im August nahmen die Exporte gegenüber dem Vorjahr um 7,5% auf u$s 5,57 Mrd zu, und die Importe nahmen 30,3% auf u$s 4,4 Mrd. ab. Die Exporte nach Brasilien erreichten u$s 851 Mio., und die Importe u$s 925 Mio., so dass sich ein Defizit von u$s 74 Mio. ergibt. Auch im Handel mit China ergab sich ein hohes Defizit: u$s 2,59 Mrd. Beim Handel mit den NAFTA-Staaten (USA, Kanada und Mexiko) betrug das Defizit u$s 1,84 Mrd. Auf der anderen Seite ergab sich ein Überschuss von u$s 2,57 Mrd. bei anderen asiatischen Staaten, von u$ 345 Mit der EU, von u$s 2,13 Mrd. mit den MAGREB-Staaten, von u$s 2,07 Mrd. mit dem mittleren Orient., von u$s 1,65 Mrd. mit Chile, von u$s 956 Mio. mit Indien und von u$s 967 Mio.mit den lateinamerikanischen ALADI-Staaten.

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Die Provinzregierung von Mendoza hat mit dem brasilianischen Bergbauunternehmen Vale die Übertragung des großen Kalium-Bergwerkes “Potasio Rio Colorado” auf die Provinz vereinbart. Das Bergwerk war seinerzeit Vale zugeteilt worden, die jedoch danach aufgab. Die Regierung von Mendoza beabsichtigt, das Bergwerk kurzfristig wieder auszuschreiben.

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Die ZB hat den Kauf von Dollar von Personen genehmigt, die schon einen Hypothekarkredit für den Kauf einer Eigenwohnung erhalten haben, aber in Dollar zahlen müssen. Dabei wurde ein Höchstbetrag von u$s 100.000 festgesetzt. Dieser Betrag wird dann während 10 Monaten auf das monatliche Kontingent von u$s 10.000 angerechnet, das alle Personen genießen, die Dollar kaufen wollen.

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Die ZB hat günstigere Zahlungsbedingungen für den Export von Produkten eingeführt, die aus sogenannten “regionalen Wirtschaften” stammen. Das bezieht sich zunächst auf Obst und Chia, aber dann auf viele andere Produkte. Während beim Export von Getreide, Ölsaat und Rindfleisch die Abrechnung der Devisen in 180 Tagen ab Gewährung der Exportgenehmigung erfolgen muss, werden bei regionalen Produkten 30 bis 60 Tage mehr gewährt. Bei den Exporten, die im Programm “Exporta simple” (exportiere einfach) eingeschlossen sind, wurde die Frist auf insgesamt 365 Tage erweitert.

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Das Bruttoinlandsprodukt lag im 2. Quartal 2019 um 0,6% über dem gleichen Vorjahresquartal, aber (saisonbereinigt) um 0,3% unter dem 1. Quartal 2010, hat das INDEC ermittelt. Das erste Quartal lag um 5,8% unter dem gleichen Vorjahresquartal. Somit lag das erste Halbjahr 2019 um 2,5% unter dem Vorjahr. Das 2. Quartal 2019 weist bei der Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft) eine interannuelle Zunahme von 46% auf, was den starken Rückgang bei der Industrie u.a. Bereichen ausgeglichen hat.

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China hat 8 weitere Schlachthäuser für Lieferungen von Rindfleisch zugelassen. Insgesamt sind es jetzt schon 34 Schlachthöfe, die nach China exportieren können, Hinzu kommen 25 Geflügelproduzenten, 3 Schlachthöfe für Schweine und 4 Betriebe mit Kühlkammern.

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Die Regierung hat am Donnerstag der Vorwoche im Kongress das Projekt über Streckung der Amortisation der Staatsbonds eingebracht, die sich unter argentinischer Gerichtshoheit befinden. Es handelt sich um einen Gesamtbetrag von ca. u$s 30 Mrd. Das Gesetzesprojekt fügt bei den Bedingungen dieser Bonds die Klausel der sogenannten “kollektiven Aktion” ein, die bei Bonds mit ausländischer Gerichtsbarkeit besteht. Das erlaubt dem Staat, Änderungen vorzuschlagen, die dann für alle gelten, wenn sie von einer Sondermehrheit der Inhaber der Bonds angenommen worden sind. Da die Banken sich in der Praxis nicht weigern können, die Änderungen anzunehmen, ist es leichter, diese Sondermehrheit zusammenzubringen.

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Die Kapitalflucht hat im August 2019 insgesamt u$s 5,91 Mrd. erreicht, was sich mit u$s 2,95 Mrd. im Juli vergleicht. Davon entfallen u$s 3,49 Mrd. auf Überweisungen auf Konten im Ausland und u$s 2,42 Mrd. auf Käufe von Dollarnoten. In diesem Fall handelt es sich um eine Erhöhung der Haltung von Liquidität in Dollar statt in Pesos bei der Gesellschaft. Zum Teil handelt es sich auch um lokale Dollardepositen, die abgehoben wurden, weil eine Einfrierung oder etwas ähnliches befürchtet wird. Es wurden aber auch Dollarnoten verkauft, so dass der Nettobetrag der Käufe auf u$s 1,52 Mrd. sinkt.

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Die ZB hat verfügt, dass die Exporteure die Rückgabe der MwSt. erst fordern können, wenn sie die Devisen des betreffenden Exports verrechnet und in Pesos umgewandelt haben.

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Die Regierung hat durch Dekret verfügt, dass 5 Straßenkorridore, die mit dem System der öffentlich-privaten Zusammenarbeit (PPP, participación público-privada) betrieben werden sollten und zugeteilt worden waren, aber wegen fehlender Finanzierung nicht begonnen wurden, auf das Staatsunternehmen Corredores Viales S.A (51% Transportministerium und 49% das Straßenbauamt Vialidad Nacional) übertragen werden. Es sind 3.374 km. Das Staatsunternehmen war ursprünglich geschaffen worden, um die Richieri-Autobahn (nach Ezeiza) zu betreiben, bei der die private Konzession abgelaufen war. Diese Autobahn wurde im August wieder einem privaten Betreiber in Konzession übertragen. “Corredores Viales” übernimmt die Belegschaft der Firmen, die 978 Arbeitnehmer umfasst, und soll in 12 Monaten ca. $ 1 Mrd. investieren. Gelegentlich sollen diese Straßen wieder ausgeschrieben werden, damit sie private Betreiber übernehmen. Das ist jedoch erst dann möglich, wenn lokale Unternehmen wieder Zugang zum internationalen Finanzmarkt zu normalen Bedingungen haben.

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Die Bundesgerichte befassen sich schon mit 1200 Fällen von Steuerhinterziehung des Indalo-Konzerns, von den K-Unternehmern Cristóbal López und Fabián de Souza. Dies betrifft die MwSt., die Gewinnsteuer und auch die sozialen Beitrage auf Löhne und Gehälter. Diese Fälle kommen zu den $ 8 Mrd. (ursprünglich gleich u$s 1 Mrd.) hinzu, die die Firma Oil Combustibles, die zum Konzern gehört, einbehalten und nicht der AFIP übertragen hat, wie es das Gesetz vorsieht. In diesem Fall handelt es sich nicht um Steuerhinterziehung, sondern um Betrug (illegale Aneignung staatlicher Mittel). Die anderen Klagen befinden sich in 90 großen Schachteln, die beim zuständigen Gericht eingereicht wurden. Offensichtlich hat Cristóbal López es mit der Zahlung von Steuern nicht ernst genommen, und auch auf diese Weise den Kauf von Unternehmen finanziert.

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Der landesweite Stromverbrauch lag im August mit 11.463,9 GWSt. um 2,1% unter dem gleichen Vorjahresmonat, hat die Stiftung Fundelec ermittelt. Der Konsumrückgang war bei den Haushalten betont, während die Industrie eine leichte Zunahme verzeichnet.

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Der Verband der Gesellschaften, die Arbeitsrisiken versichern (UART) berichtet, dass der Oberste Gerichtshof in den letzten Woche weitere willkürliche Urteile der Kammer für Arbeitsrecht widerrufen hat, wie er es schon unter der Macri-Regierung systematisch tut. Die Arbeitsgerichte sind immer noch weitgehend von Gewerkschaftsanwälten besetzt, oder von Richtern, die im Sinne der Gewerkschaften urteilen, und dabei das Gesetz missachten. Der Oberste Gerichtshof hat bestimmt, dass die für Entschädigungen festgesetzten Tarife obligatorisch sind, dass ein Zuschlag von 20% bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit (“in itinere”) nicht zulässig ist, und das die Berechnung der Entschädigung zum Zeitpunkt des Unfalles und nicht des Urteils festgesetzt wird. Der Oberste Gerichtshof korrigiert jetzt den groben Unfug, der unter den Kirchners auf diesem Gebiet eingeführt worden war, und das erlaubt dann niedrigere Versicherungsprämien.

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Die Supermärkte erreichten im Juli 2019 einen Umsatz von $ 55,08 Mrd., 40,2% über dem gleichen Vorjahresmonat, berichtet das INDEC. Zu konstanten Werten berechnet fand ein interannueller Rückgang von 12,7% statt, der zum Teil auf einem Mengenrückgang und zum Teil auf den Übergang auf billiger Produkte und Marken zurückzuführen ist.

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Die Selbstbedienungsläden, die nicht zu den Supermarktketten gehören, wiesen im Juli einen Umsatz von $ 9,83 Mrd. auf, 37,4% über dem Vorjahr. Zu konstanten Preisen betrug der Rückgang 15,5%.

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Die Grossistensupermärkte wiesen im Juli einen Umsatz von $ 9,16 Mrd. auf, 35,8% über dem Vorjahr. Zu konstanten Preisen fand eine Abnahme von 16,7% statt.

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Im August wurden in der Bundeshauptstadt 2.964 Immobilien verkauft, 35,1% über dem gleichen Vorjahresmonat und 7% unter Juli 2019, teilt der Verband der Notare mit. In Werten waren es im August $ 22,73 Mrd., 102,8% über dem Vorjahr. In Dollar betrug die Zunahme 14,7%. Da die Immobilienpreise in Dollar festgesetzt werden, kommt in dieser Zunahme die echte Erhöhung zum Ausdruck. Nur 324 Immobilienkäufe wurden mit einer Hypothek begleitet, 10,9% der gesamtem Übertragungen, 50,1% unter dem Vorjahr.

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Der Umsatz von Medikamenten lag in Mengen im August um 13,3% bei Rezeptfreien und um 4,9% bei denen mit ärztlicher Verschreibung unter dem gleichen Vorjahresmonat, hat die Consulting-Firma Iqvia ermittelt. Die Preise sind in dieser Periode über die Zunahme des Indices der Konsumentenpreise gestiegen, weil die Wirkstoffe in den meisten Fällen importiert sind. Eine freiwillige Preiseinfrierung, die die Regierung den Pharmaunternehmen vorschlug, wurde von diesen nicht angenommen.

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