• Argentinisches Tageblatt

Angst beim Duschen

Hitchcock-Schocker „Psycho“ wird 60

Von Barbara Munker

Janet Leigh als Marion Crane in einer Szene des Films „Psycho“ (1960). (Foto: dpa)

Los Angeles - Bei „Psycho“ hat sich Alfred Hitchcock, der „Master of Suspense“, selbst übertroffen. Der Film, der vor knapp 60 Jahren (16. Juni 1960) in New York Premiere feierte, ängstigte ein Millionenpublikum, brachte dem britischen Regisseur den Ruf als „Horrorfilmer“ ein, bescherte ihm seinen größten Erfolg an den Kinokassen, brach mit vielen Hollywoodregeln - und machte Duschen unbeliebt.

Wenige Szenen der Filmgeschichte sind so unter die Haut gegangen: Während Marion Crane (Janet Leigh) im einsamen Bates Motel unter der Dusche steht, dringt eine dunkle Gestalt ins Badezimmer ein, der Vorhang wird weggerissen. Die blonde Frau lässt einen gellenden Schrei los, dann sticht der Mörder mit einem Messer immer wieder auf sie ein.

Dabei zeigte Hitchcock ganz bewusst nicht, wie das Messer in das Opfer eindringt. Den cineastischen Grusel erzeugt die immer schneller werdende Stichsequenz, dazu das Stakkato der schrillen Streichermusik und das mit Wasser vermischte Blut im Abfluss, das mit langsamer Blende in das weit aufgerissene Auge der Toten übergeht. Der Horroreffekt brauchte nicht einmal Farbe - „Psycho“ ist ein Schwarz-Weiß-Film.

Sie selbst habe den Dreh als derart gruselig empfunden, dass sie lange Zeit jede Duschkabine mied und lieber badete, sagte Leigh später in Interviews. Janet Leigh war als Filmstar und durch ihre Ehe mit Tony Curtis und die kurz vor den Dreharbeiten geborene Tochter Jamie Lee Curtis bekannt. Umso überraschender war Hitchcocks Verstoß gegen die Hollywoodregeln, seinen Vorzeige-Star schon im ersten Drittel des Films sterben zu lassen.

Auch mit freizügigen Bettszenen schockierte Hitchcock damals das prüde Amerika. „Psycho“ beginnt mit einer langen Kamerafahrt über die Skyline von Phoenix in ein Hotelzimmer, wo Leighs Charakter Marion Crane mit ihrem Liebhaber Sam (John Gavin) im Bett viel nackte Haut zeigt. Statt 40.000 Dollar von ihrem Chef auf die Bank zu bringen, macht sich die hübsche Sekretärin mit dem Geld auf den Weg nach Kalifornien, wo ihr Freund lebt. Bei strömendem Regen hält sie übermüdet in dem merkwürdigen Bates Motel an. Der auf den ersten Blick schüchterne Betreiber Norman (Anthony Perkins) erzählt ihr von seiner alten, kranken Mutter, die der Sohn in der gespenstischen Villa nebenan betreut.

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Der damals 28-jährige, kaum bekannte Perkins glänzte in der Rolle des schizophrenen, zerrissenen Täters, der eine ganze Reihe Opfer auf dem Gewissen hat, darunter den Privatdetektiv Milton Arbogast (Martin Balsam), der sich auf die Suche nach Marions Spuren machte. Auch ihre Schwester Lila (Vera Miles) sucht gemeinsam mit Sam nach der Verschwundenen. Miles ist heute mit 90 Jahren die einzige noch lebende Darstellerin der „Psycho“-Riege.

Vor dem Film „Psycho“ gab es den gleichnamigen Roman von Horror-Autor Robert Bloch über einen Mann namens Norman Bates, der vom Tod seiner Mutter so traumatisiert ist, dass er immer wieder in ihre Rolle schlüpft. Hitchcock sicherte sich 1959 für ein paar Tausend Dollar die Filmrechte und hielt das Projekt akribisch unter Verschluss. Das Studio Paramount fand die Vorlage geschmacklos, so finanzierte Hitchcock den Film für billige 800.000 Dollar aus eigener Tasche.

Bis zur Premiere im Juni 1960 schwor der Regisseur alle Beteiligten auf Verschwiegenheit ein. Die Geheimniskrämerei heizte die Spannung weiter an. Einige Kritiker verrissen den gewalttätigen Schocker, der heute zu den ersten Sla-sher-Filmen gezählt wird. Ein Autor des „Hollywood Reporter“ schwärmte von dem „erstklassigen Mystery-Thriller, voll mit Schockeffekten und Überraschungen“. Die Zuschauer stürmten die Kinos. Am Ende spielte „Psycho“ alleine in den USA mehr als 30 Millionen Dollar ein, die Bestmarke für einen Hitchcock-Film. (dpa)

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