• Argentinisches Tageblatt

„Alternativen aufzeigen“

Rosa-Luxemburg-Stiftung mit neuem Regionalleiter und neuem Büro

Von Marcus Christoph

Gerhard Dilger in seinem Büro im Buenos-Aires-Stadtteil Constitución. (Foto: mc)

Buenos Aires (AT) - „Wir wollen Alternativen aufzeigen.“ Mit diesen Worten beschreibt Gerhard Dilger die Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in Buenos Aires. Auftrag der Einrichtung, die der deutschen Partei „Die Linke“ nahesteht, ist die politische Bildungsarbeit, wie Dilger erläutert.

Vor Kurzem hat die Stiftung ihr neues, großzügiges Büro im Stadtteil Constitución bezogen, nachdem sie zuvor schon einige Jahre in Chacarita ansässig war. Die Vertretung ist neben Argentinien auch für Chile und Uruguay zuständig. Insgesamt arbeiten 14 Angestellte in den neuen Räumlichkeiten in der Straße Santiago del Estero 1148. Dilger selbst ist seit Anfang dieses Jahr im Land. Zuvor hatte er sechs Jahre lang das RLS-Büro in São Paulo geleitet.

Der 60-Jährige aus dem bayrischen Landsberg verfügt über langjährige Erfahrungen in Lateinamerika. Zunächst kam er als Lehrer nach Kolumbien, wechselte dann aber in den Journalismus. Er lebt seit 1992 in Südamerika; viele Jahre davon in Brasilien. Bis 2012 wirkte er als Korrespondent der taz und anderer deutschsprachiger Medien, ehe er als „Seiteneinsteiger“ zur Rosa-Luxemburg-Stiftung kam. „Mein Plus war die Regionalkenntnis“, beschreibt Dilger gegenüber dem Tageblatt.

In Argentinien und anderen Ländern Lateinamerikas unterstützt die Stiftung „progressive und emanzipatorische Prozesse“ - und das möglichst konkret und auf verschiedenen Feldern. Beispielsweise die Fraueninitiativen: „In diesem Punkt kann Deutschland von Argentinien lernen“, sagt Dilger. Schließlich sei die Demonstrationskultur hier sehr lebendig. Oder die Kleinbauernbewegung. „Wir setzen uns für eine soziale und ökologische Transformation ein“, so der RLS-Büroleiter mit Blick auf den Agrarsektor. Die Landwirtschaft solle nicht nur für den Export produzieren. Das kapitalistische Wirtschaftssystem sei grundsätzlich zu hinterfragen, meint er.

Zu den Aufgaben des RLS-Büros in Buenos Aires zählt auch das Erstellen von Analysen für die Zentrale in Berlin über die Situation hier vor Ort. Dilger moniert in diesem Zusammenhang auch, dass Lateinamerika zusehends weniger in deutschen Medien vertreten sei.

Partner hat die RLS in Argentinien vor allem in sozialen Bewegungen wie „Frente Popular Darío Santillán“, „Movimiento Popular La Dignidad“ und „Pañuelos en Rebeldía“. Auf der Ebene politischer Parteien bestünden eher sporadische Beziehungen wie zum Linksbündnis FIT. Des Weiteren gibt es Berührungspunkte mit Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen wie etwas Nora Cortiñas von den Müttern der Plaza de Mayo.

„Wir wollen Leute aus verschiedenen Bereichen durch Dialog zusammenbringen“, sagt Dilger in Anspielung auf die schon traditionellen Zersplitterungstendenzen im linken Lager. Für potenzielle Partner in Argentinien ist die RLS aus zwei Gründen attraktiv: Einmal wegen der prominenten Namensgeberin. Zum anderen aber auch, da die Einrichtung mit Geldern aus Deutschland ausgestattet ist und somit auch tatsächlich in der Lage sei, Projekte zu realisieren, beschreibt Dilger.

Die deutschen politischen Stiftungen werden durch Gelder mehrerer Bundesministerien finanziert. Voraussetzung für die Vergabe von Steuermitteln ist, dass der Partei, die der jeweiligen Stiftung nahesteht, zum zweiten Mal der Einzug in den Bundestag gelungen ist.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung wurde 1990 gegründet und wurde bald darauf von der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) anerkannt. Diese wiederum war aus der einstigen DDR-Staatspartei SED hervorgegangen. 2007 fusionierte die Linkspartei.PDS mit der eher westdeutschen WASG zur Partei Die Linke

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist seit 2015 mit einem Büro in Buenos Aires vertreten. Weitere Vertretungen auf dem amerikanischen Doppelkontinent gibt es in São Paulo, Quito (Ecuador), Mexiko-Stadt und New York.

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