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Alberto Fernández im Amt

Der 60-jährige Peronist ist neuer Präsident Argentiniens

Alberto Fernández (M.) mit Mauricio Macri (2.v.r.) und Cristina Kirchner (r.).

Buenos Aires (mc/dpa) - Die Argentinier zu versöhnen und die Spaltung seiner Bürger in verfeindete politische Lager zu überwinden: Mit diesem Anspruch hat Alberto Fernández am Dienstag sein Amt als Staatspräsident angetreten. „Ich bin gekommen, um zur Einheit aufzurufen“, formulierte der 60-Jährige bei seiner rund einstündigen Rede im Kongress. Vorausgegangen war seine Amtseinführung, die von Zeichen der Aussöhnung gekennzeichnet war.

Schließlich vollzog sich die Machtübergabe mit viel mehr demokratischer Reife als bei den beiden vorangegangenen Festakten dieser Art: 2011 war die damals im Amt bestätigte Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner mit ihrem Vizepräsidenten Julio Cobos so zerstritten, dass sie sich die Präsidentenschärpe lieber von ihrer Tochter Florencia umlegen ließ. Vier Jahre später lehnte Kirchner es ab, der Amtseinführung ihres ungeliebten Nachfolgers Mauricio Macri beizuwohnen.

Diesmal verlief es so, wie es das Protokoll vorsieht. Die scheidende Vizepräsidentin Gabriela Michetti nahm sowohl ihrer Amtsnachfolgerin Cristina Kirchner als auch Alberto Fernández den Amtseid ab. Dazu passte es ins Bild, dass Fernández der Rollstuhlfahrerin Michetti behilflich war, in den Plenarsaal zu kommen.

Nach der Vereidigung betrat der scheidende Präsident Mauricio Macri die Szenerie, hängte seinem Nachfolger die Schärpe um und überreichte den Amtsstab. Beide Politiker umarmten sich einige Sekunden lang. Deutlich frostiger ging es zu, als Macri Kirchner die Hand gab und diese demonstrativ angewidert zur Seite schaute.

Alberto Fernández setzte an seinem großen Tag besondere Akzente. So fuhr er selbst am Steuer seines Toyota Corolla von seiner Wohnung im Stadtteil Puerto Madero zum Kongress rüber. Sicher um Volksnähe zu zeigen, aber auch um zu demonstrieren, wer in den kommenden vier Jahren die Geschicke des Landes lenkt. Die Avenida de Mayo war gesäumt von zahlreichen Schaulustigen, die Fernández bei hochsommerlichen Temperaturen zujubelten. Im Kongress war alles auf Feierstimmung eingestellt. Mehrfach stimmten die Abgeordneten des neuen Regierungslagers den „Marsch der Peronisten“ an.

Bei seiner Antrittsrede kündigte der neue Staatschef einen Plan gegen die im Land grassierende Lebensmittelknappheit an. „Über 15 Millionen Menschen leiden an Lebensmittelknappheit in diesem Land, das zu den weltweit größten Nahrungsmittelproduzenten zählt“, sagte Fernández. Er bekräftigte seinen Willen, die Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Das habe für ihn auch Vorrang vor der Begleichung der Auslandsschulden.

Fernández, der als Strafrechtsprofessor an der Universität von Buenos Aires wirkte, kritisierte in seinen Ausführungen auch die Judikative: „Wir haben in den letzten Jahren einen Niedergang der Justiz gesehen mit unrechtmäßigen Verfolgungen und willkürlichen Verhaftungen, die von den Regierenden veranlasst wurden“, so der neue Präsident, der dabei auch „eine gewisse Willfährigkeit der Medien“ anprangerte. Das dürfte so „nie wieder“ geschehen. Von daher kündigte Fernández eine „umfassende Reform der Justiz“ an. Ein entsprechendes Gesetzesprojekt werde er in den nächsten Tagen in den Kongress einbringen.

Während der vergangenen vier Jahre wurden zahlreiche Funktionäre der einstigen Kirchner-Regierungen wegen Korruptionsvorwürfen angeklagt. Einige wurden verurteilt, andere ohne rechtskräftiges Urteil in Untersuchungshaft genommen. Gegen Cristina Kirchner laufen mehrere Verfahren (wir berichteten).

Alberto Fernández und seine Vizepräsidentin fuhren nach Vereidigung und Antrittsrede zur Plaza de Mayo. Während draußen ein Volksfest begann, nahm der neue Staatschef im Museo del Bicentenario die Vereidigung seines Regierungsteams vor. Fernández und Außenminister Felipe Solá nahmen anschließend die Glückwünsche ausländischer Würdenträger entgegen. Deutschland war dabei durch Botschafter Jürgen Christian Mertens vertreten.


Volksfest auf der Plaza

Buenos Aires (AT/ju) - Mit frenetischem Jubel, politischen Kampfgesängen und einem diversen Musikangebot feierten die Anhänger von Alberto Fernández am Dienstag dessen Einzug in das Amt des Präsidenten. Die 34 Grad im Schatten und gnadenlos brennende Sonne hielten die begeisterten Menschenmassen nicht davon ab, ab 14 Uhr die Plaza de Mayo und die umliegenden Straßen zu füllen.

Trotz gewaltiger Sonnenschirme und Transparenten, die etwas Schatten boten, und Wasserflaschen, die die Veranstalter verteilten, musste sich so mancher von der Hitze gebeutelt setzen, um den zahlreichen bekannten Gruppen wie Cumbia-Größe Mala Fama, Rockband Eruca Sativa oder Tango-Interpretin Adriana Varela zu lauschen. Alle Musiker bekräftigten ihre Unterstützung für die neue Regierung bekräftigen.

In den Abendstunden, als Cristina Kirchner und Alberto Fernández ihre emotionalen Reden von tosendem Applaus begleitet hielten, vergaßen auch die Erschöpftesten ihre Müdigkeit. Als angekündigte Überraschung schossen Feuerwerkskörper in die Höhe, während die ersten versuchten, sich ihren Weg aus der Menge zu bahnen.

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